Elektromobilität und Verbrauchskosten bei steigenden Energiepreisen

Strom laden vs. Benzin tanken – was ist günstiger?

26.7.2022
  • Wissen, Laden, Privat
Aufgrund des sehr hohen Wirkungsgrades des Elektromotors verbrauchen Fahrzeuge mit E-Antrieb deutlich weniger Energie als ihre Pendants mit Verbrennungsmotor. Sind sie deshalb aber auch bei den Verbrauchskosten automatisch viel günstiger? Ein Kostenvergleich zwischen der Verwendung von Strom sowie den Brennstoffen Benzin und Diesel beim Auto.
Zwei KEBA-Wallboxen und ins Bild retuschiert zwei ADAC-Gütesiegel mit dem Ergebnis "sehr gut" aus 2018 und "gut" aus 2022

In diesem Artikel geht es um die Verbrauchskosten beim Betrieb von Fahrzeugen. Diese werden naturgemäß bestimmt von zwei Faktoren: 1. dem Verbrauch und 2. den Kosten für die eingesetzte Energie. Das Produkt aus Verbrauch und Kosten pro Energieeinheit ergibt die Verbrauchskosten.

Der Verbrauchsvorteil bei E-Autos

Zunächst zum Verbrauch. Für eine Strecke von 100 km braucht ein Elektroauto der Mittelklasse im Schnitt 20 kWh. Ein – auch in Bezug auf die Leistung – vergleichbarer Benziner konsumiert bei gleichem Fahrprofil** 8 Liter Kraftstoff**. Da ein Liter Benzin einen Brennwert von circa 8,5 kWh hat, entspricht der Verbrauch des Verbrenners umgerechnet 68 kWh – und ist damit rund 3,5-mal so hoch wie beim Elektroauto. Das liegt am schlechteren Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren. Während im Elektromotor 85 bis über 90% der eingebrachten Energie in Bewegung umgesetzt werden1, sind es beim Kolbenverbrennungsmotor zwar theoretisch um die 40%, in der Praxis mit den verschiedenen Lastzuständen jedoch lediglich 25% oder noch weniger. Der größte Anteil geht dort in Wärme auf.2 Außerdem wird beim Elektrofahrzeug kinetische Energie in elektrische umgewandelt, sobald es zur forcierten Verzögerung kommt. Bremsen lädt also den Akku. Beim Verbrenner dagegen verpufft die kinetische Energie, indem sie in der Bremsanlage zu Wärme wird.

Verbrauchskosten bei E-Auto, Benziner und Diesel

Nun zu den Energiepreisen. Im Juni 2022 kostete ein Liter Super Benzin in Deutschland im Durchschnitt 1,92 Euro, ein Liter Diesel 1,87 Euro und eine Kilowattstunde Strom inkl. aller Grundkosten für Privathaushalte 34,6 Cent. Im Beispiel des gutmotorisierten Mittelklasse-Fahrzeugs ergibt das reine Verbrauchskosten auf 100 km von 15,36 Euro beim Benziner und 7,28 Euro beim Modell mit Elektroantrieb. Der Benziner ist in diesem Fall also mehr als doppelt so teuer (+110%). Eine ähnliche Dieselmotorisierung (Verbrauchsannahme von 6 Litern / 100 km) käme auf 11,22 Euro, wäre also immer noch anderthalb Mal teurer (+54%). Der Vollständigkeit halber sei gesagt: Ladestrom ist an Schnellladestationen, die zumeist auf langen Strecken genutzt werden, in der Regel deutlich teurer als an der eigenen Wallbox zuhause. Dafür profitieren viele E-Autofahrer:innen auf ihren Alltagsstrecken von kostenfreiem Strom am Arbeitsplatz (je nachdem ist dabei jedoch ein Sachbezug zu versteuern) oder zuhause dank sehr günstiger Energie der heimischen Photovoltaik-Anlage.

Je mehr man fährt, desto günstiger wird das E-Auto

Welche Antriebsart jedoch insgesamt (man spricht dabei von den ‚total cost of ownership‘) günstiger ist, entscheiden weitere Faktoren, allen voran die jährliche Laufleistung. Hinzu kommen Anschaffungskosten, Wertverlust sowie Nebenkosten wie Steuer, Versicherung und Aufwendungen für Service und Reparatur. Prinzipiell gilt: Wer viel fährt, profitiert schneller von geringeren Verbrauchskosten als Wenigfahrer:innen. Ein bei den Verbrauchskosten günstiges Elektroauto kann sich gegenüber einem Verbrenner trotz höherer Anschaffungskosten deshalb schon nach zwei Jahren rechnen – aber eben auch erst nach acht. Bei gleichen Anschaffungskosten – erwartet wird die Kostenparität 2025 – ist ein Elektrofahrzeug natürlich vom Start weg günstiger.

Energiekosten: Strom lässt sich selbst produzieren, Kraftstoff nicht

Wie aber sieht die Zukunft aus? Wie teuer werden Brennstoffe, ob fossil oder nachwachsend, und wie teuer Strom? Das kann niemand vorhersagen. Gesichert ist nur die Vergangenheit: Seit 2002 (also innerhalb von 20 Jahren) hat sich der Preis für einen Liter Super Benzin in Deutschland von 1,05 Euro auf** 1,92 Euro** (Stand: Juni 20223) um knapp 83% erhöht. Beim Diesel ging es im gleichen Zeitraum um fast 123% nach oben.4 Die Energie aus der Steckdose hat sich seit 2000 sogar um 147% verteuert.5 Heißt das jetzt, dass der Verbrauchsvorteil des E-Autos auf lange Sicht durch höhere Preissteigerungen beim Strom aufgefressen wird? Dagegen spricht vor allem eines: Strom kann fast überall auf der Welt selbst produziert werden. Öl als (wichtigster) Ausgangsstoff für Benzin und Diesel ist hingegen nur in manchen Ländern förderbar. Auf mittlere Sicht moderiert das den Preisanstieg bei elektrischer Energie. Hinzu kommt, dass nicht nur ganze Nationen bei der Stromproduktion hypothetisch unabhängig sind, sondern auch einzelne Verbraucher:innen. Denn mit einer PV-Anlage auf dem Dach, die immer mehr zum Standard bei privaten Wohnhäusern wird, kann sich prinzipiell jeder bis zu einem gewissen Grad den eigenen Strom produzieren (siehe PV-Überschussladen). Brennstoffe hingegen können nicht selbst hergestellt werden. Dieser technische Umstand sorgt 1. für mehr Unabhängigkeit durch die Nutzung von Strom für die Mobilität und 2. für tendenziell sinkende Energiekosten. Das Elektroauto ermöglicht somit einen geringen Verbrauch und geringe Energiekosten.


Quellen:
1 https://blog.energiedienst.de/der-elektromotor-hat-noch-viel-potenzial/ bzw. https://www.industr.com/de/weltrekord-elektromotor-mit-fast-prozent-energieeffizienz-2299451
2 https://de.wikipedia.org/wiki/Verbrennungsmotor#cite_note-7
3 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/776/umfrage/durchschnittspreis-fuer-superbenzin-seit-dem-jahr-1972/
4 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/779/umfrage/durchschnittspreis-fuer-dieselkraftstoff-seit-dem-jahr-1950/ (Diesel: 2002: 0,84 Euro, Juni 2022: 1,87 Euro)
5 https://strom-report.de/strompreise/strompreisentwicklung (Strom: 2000: 0,14 Euro / kWh, 2022: 0,346 Euro) 


 

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